Städte sind zunehmend von sommerlicher Hitze betroffen. Dichte Bebauung, wenig verschattende Pflanzungen und versiegelte Flächen begünstigen die Bildung urbaner Wärmeinseln und verschlechtern die Aufenthaltsqualität im Freiraum. Das Forschungsprojekt „Maßnahmen mit Wirkung – Handlungsempfehlungen für die klimagerechte Quartiersentwicklung im Außenraum (GRÜN-BLAU)“ hat untersucht, welche Maßnahmen tatsächlich wirksam sind, um die Hitzebelastung für Menschen an heißen Tagen zu reduzieren.
Hierfür wurden über ein Jahr hinweg mikroklimatische Messungen in drei Stuttgarter Quartieren durchgeführt, ergänzt durch Simulationen und Literaturanalysen. Die Ergebnisse zeigen klar, dass Begrünung und Verschattung zentrale Schlüssel für hitzeresiliente Stadtquartiere sind. Handlungsempfehlungen zeigen auf, wie sich konkrete Maßnahmen praxistauglich in Quartieren umsetzen lassen.
Messgrundlage und Methodik
Für das Projekt wurden in drei Stuttgarter Quartieren umfangreiche mikroklimatische Messungen durchgeführt. Dabei kamen über 60 LoRaWAN-Funksensoren zum Einsatz, die ein Jahr lang kontinuierlich Daten zu Temperatur- und Feuchtebedingungen im öffentlichen Raum lieferten. Die Ergebnisse wurden mit Messstationen des Deutschen Wetterdienstes abgeglichen und in das Simulationsmodell ASMUS_green eingespeist, um verschiedene Begrünungs- und Verschattungsszenarien zu berechnen.
Fünf zentrale klimarelevante Erkenntnisse
Im Projekt zeigte sich, dass Bäume, dank Schatten und Verdunstung, besonders effektiv zur Reduktion der gefühlten Temperatur beitragen (bis zu 8 K Reduktion). Fassadenbegrünungen wirken ähnlich stark, insbesondere im bodennahen Bereich, und bringen zugleich ökologische und gestalterische Vorteile. Eine Kombination mit PV in oberen Geschossen ist damit sinnhaft. Gezielte Verschattung durch Pergolen, Sonnensegel oder Baukörper senkt die Temperatur um 2–4 K. Dachbegrünungen haben nur begrenzte Wirkung, besonders bei Trockenheit, weshalb Photovoltaik prioritär eingesetzt und intensive Begrünung eher für Nutzflächen empfohlen wird. Wasserflächen kühlen lokal um 1–3 K und steigern vor allem die subjektive Aufenthaltsqualität.
Fazit
Das Projekt „GRÜN-BLAU“ zeigt klar: Begrünung und Verschattung sind die wirksamsten und dauerhaftesten Maßnahmen, um Hitze in städtischen Quartieren zu mindern. Besonders in dicht bebauten Stadtbereichen kann bereits eine gezielte Kombination aus Baumpflanzungen und Fassadenbegrünung sowie struktureller Verschattung zu wesentlich angenehmeren Mikroklimabedingungen führen. Entscheidend ist, Maßnahmen frühzeitig in Planung und Sanierung zu integrieren – denn hitzeresiliente Quartiere sind ein Schlüssel für lebenswerte Städte der Zukunft.
Die Handlungsempfehlungen sowie die Dokumentation der Messmethode finden Sie in folgenden Dokumenten: